Rückruf in den Bunker

Telefonzelle kehrt in den Regierungsbunker zurück

Telefonzelle im Kanzlerflur. Der einzige öffentliche Fernsprecher im Ostteil des Regierungsbunkers stand am Ende des Bauwerks 145 unmittelbar vor dem Notausgang „Kratzemich“ – ein Bereich, der dem Kopf der Regierung vorbehalten war.Das Bett des Bundeskanzlers stand jahrelang in einem Privathaushalt, die Kameras aus dem Bunker-Fernsehstudio lagen im Keller des WDR, der Stuhl des Friseursalons stand im Lager des Deutschen Museums. Wie diese Objekte im Einzellfall da hin kamen, weiß heute niemand mehr – oder sagt es nicht. Was sie aber eint: Alle kehrten zurück in den Regierungsbunker und sind heute in der Dokumentationsstätte zu sehen. Doch die Serie der „Heimkehrer“ reißt nicht ab. Der jüngste Fall: Eine von zwei Telefonzellen des Regierungsbunkers ist wieder da.

Rückblick. Im Oktober 1998 gehen die Bilder einer Telefonzelle um die Welt, als der geheime Regierungsbunker erstmals den Medien offen steht. Der gelbe Kasten, tausendfach an jeder Ecke der Bundesrepublik zu finden, wirkte auf Fotografen und Kameraleute bei ihrer Expedition durch den Ausweichsitz der Bundesorgane wie ein Magnet und fand sich wenig später in jeder aussagekräftigen Dokumentation über die staatsgeheime Anlage wieder. 

Telefonzelle als Medienstar. Vor der Tür kaum beachtet, wirkte der Fernsprecher im Regierungsbunker auf die Pressevertreter wie ein Magnet.Doch die Faszination galt weniger dem Ding selber, noch der Technik. Es war vielmehr die Tatsache, dass es diese Möglichkeit der Kommunikation mit „Draußen“ aus dem unterirdischen Reich aus Gängen und Räumen überhaupt gab, eingeschlossen die Frage, mit wem man aus dem Bunker heraus im Ernstfall überhaupt spricht und worüber.

Die gelb lackierte Telefonzelle samt Münzfernsprecher - ein Stück scheinbare Normalität an einem Ort, der alles andere als normal war. Sogar die Telefonbücher der benachbarten Großstädte Bonn, Köln und Düsseldorf hingen dort, wo sie in jeder anderen Telefonzelle auch ihren Platz hatten.

Mit dem Rückbau des Regierungsbunkers trat die Telefonzelle samt Inhalt eine jener Reisen an, über die man heute gerne erzählt. Kurz vor dem Bagger gerettet, wurde der Blechkasten aus dem Bunker heraus evakuiert. Nach vielen Jahren der Finsternis, folgte im sonnigen Freigelände der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) ein zweites Dasein. Ab nun war die Telefonzelle Teil eines Übungsplatzes, der für Evakuierungsübungen aller Art genutzt wurde. Bis die Dokumentationsstätte und die AKNZ beschlossen, dass der eigentlich bessere Platz der im Museum ist.

Heimkehrer: Die reiselustige Telefonzelle kehrt aus der Akademie für Notfallplanung in den Regierungsbunker zurück.Nun wird die Zelle, zunächst grundüberholt, dort den Besuchern von der Möglichkeit erzählen, aus den Tiefen des Regierungsbunkers die normale Welt vor der Tür zu erreichen. Was allerdings ihr Geheimnis bleiben wird, ist die eigene Telefonnummer, denn die ist in keinem Verzeichnis der Dienstelle Marienthal, geschweige in irgendeinem öffentlichen Telefonbuch vermerkt gewesen.

Aber so ein bisschen Geheimhaltung steht dem niemals öffentlichen öffentlichen Fernsprecher ja ganz gut und pflegt das Image von Deutschlands außergewöhnlichster Telefonzelle.

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01.06.2010