Am 3.11. im Landesbunker Alzey: Zeitkapsel des Kalten Krieges

Führungen durch den Ausweichsitz Rheinland-Pfalz entführen in die Jahre der atomaren Abschreckung

Besucher in einem der vielen Lagezentren, in denen die Struktur verbunkerter Führungsstellen von Bund, Ländern oder Gemeinden erklärt wird – in Wort und Bild.Am 3. November (10 bis 18 Uhr; Führungen bis 11.30 Uhr und zwischen 15 und 16 Uhr sind ausgebucht; alle Besucher erhalten eine Führung, es können aber Wartezeiten entstehen!) geht es im ehemaligen Atomschutzbunker der Landesregierung Rheinland-Pfalz in Alzey auf Zeitreise: In Führungen werden Übungen zum Dritten Weltkrieg so erklärt, wie sie die Mainzer Landesspitze in ihrem Bunker durchspielte. Dabei steht der Originalschauplatz offen und können Besucher über das Gänge-Labyrinth der unterirdischen Anlage die Räume erreichen, die im Kalten Krieg als geheime Lagezentren eingerichtet waren. Fernschreiber und Schreibmaschinen, Notstromerzeuger und Strahlenmessgeräte sind stumme Zeugnisse einer Epoche, in der sich Ost und West mit der atomaren „Garantie der gegenseitigen Vernichtung“ jahrzehntelang in Schach hielten. Einmal jährlich öffnet der 1992 geschlossene Atomschutzbunker für Besichtigungen und gibt tiefe Einblicke in Übungsabläufe, Vorbereitungen für den nuklearen Ernstfall – und sich selbst.

Gänge-Labyrinth im Atomschutzbunker der Landesregierung Rheinland-Pfalz: Nackter Beton, offen verlegte Kabel und gasdichte Türen machen den Ausweichsitz nicht zum Wohnerlebnis, sind aber durchaus funktionell in Erfüllung seiner ursprünglich geplanten Aufgabe.Es riecht nach Linoleum und Papier. Im Halbdunkel der Gänge sind etliche Türen zu erkennen, neben denen die Beschriftung immer noch etwas über die ehemaligen Nutzer verrät: „Ministerium für Wirtschaft und Verkehr“, „Staatskanzlei“ oder „Verbindungskommando Wasser- und Schifffahrtsdirektion, Landeszentralbank“. Die Bearbeitung des Strafvollzugs und für Kulturgut hätten sich gar einen Raum geteilt. Der Bunker – das verkleinerte Abbild eines Verwaltungsapparates, der aus dieser geheimen Unterwelt das Bundesland Rheinland-Pfalz im Atomkrieg weiter regieren sollte. Im Nachgang des Kalten Krieges wirken Planspiele um kilometerlange Flüchtlingstrecks entlang der Mosel und dokumentierte Kernwaffeneinschläge in Speyer oder Zweibrücken bizarr.

Auf die Besucher aller Altersgruppen wirkt der Bunker heute wie eine Mischung aus James Bond, Amtsstube und Jugendherberge – alles in einer Zeitkapsel konserviert und aus den 1970er Jahren zurückgelassen. Erheiternd wirken da schon eher Einblicke in Geheim-Akten der Planer: Bei wichtigen Besprechungen in Bonn wirkte der Landesvertreter Rheinland-Pfalz „unorientiert“, während die Landesregierung als Ausweichsitz für den Atomkrieg mal eine Schule in Bad Sobernheim, dann ein Schloss an der Mosel ausprobierte. Schließlich wird sie unter der Turnhalle des Aufbau-Gymnasiums in Alzey heimisch und hütet ihr Staatsgeheimnis bis 1992.

Nach Ende des Kalten Krieges wird der Bunker durch die Landesregierung aufge- und dem Aufbau-Gymnasium übergeben. In Zusammenarbeit von „Bunker-Dokumentationsstätten, Marienthal“ und Schule öffnet die Bunkeranlage 2011 erstmals für Besichtigungen – eine Initiative, die auch 2013 erfolgreich fortgesetzt wird, wenn es am 3. November zwischen 10 und 18 Uhr heißt: Die Bunkertüren stehen Besuchern offen!

Ausweichsitz Rheinland-Pfalz: Sporthalle des Aufbau-Gymnasium, Ernst-Ludwig-Str. 49-51, 55232 Alzey

Mehr Informationen unter: www.bunker-alzey.de

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18.09.2013