3.10.: Deutsch-deutsche (Bunker)Geschichte in Ahrweiler

Ehemalige Mitarbeiter der Regierungsbunker Ost und West gestalten gemeinsam Museumsbetrieb

„Ost“ und „West“ gab es nicht nur innerdeutsch. Auch der Bonner Regierungsbunker war in zwei entsprechende Bunkerteile gegliedert – im Bild die Versandbehälter für Kurierdienste. Am 3. Oktober 2015 findet Beides auf besondere Weise zueinander.  Foto: www.regbu.de3. Oktober 1990: während in Berlin die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten gefeiert wird, schwenken zwei Hauptprotagonisten des Kalten Krieges auf die Zielgerade ein. Die Regierungsbunker der DDR und der Bundesrepublik werden ausgemustert, geschlossen und versiegelt. 25 Jahre später stellt sich die Situation um beide Zeitzeugnisse allerdings ganz unterschiedlich dar: Während der Regierungsbunker/West im Ahrtal bei Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Museum ist, in dem nach sieben Jahren Betrieb für den 3. Oktober 2015 der 600.000ste Besucher erwartet wird, verrottet der verschlossene Regierungsbunker/Ost in Prenden nordöstlich Berlins trotz intensiver privater Bemühungen für eine museale Nutzung. Um die Bewertung beider Anlagen in ihrer historischen Rolle und für eine Erklärung der jüngeren deutschen Geschichte herrscht Einvernehmlichkeit. Kaum ein Ort ist besser geeignet, die Rolle beider deutscher Staaten in ihren Bündnissen zu erklären – selbst für den Extremfall dritter Weltkrieg. Immerhin: Zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung wird ein ranghoher Mitarbeiter des DDR-Regierungsbunkers im westdeutschen Gegenstück das Museumsprogramm mitgestalten.

Jürgen Freitag kennt den DDR-Regierungsbunker in Prenden seit Baubeginn bis zu seiner Schließung – im Bild 1986 bei einer Übung der Luftstreitkräfte im Umfeld des Bunkers.Kaum jemand kennt die Geschichte des DDR-Regierungsbunkers in Prenden so gut, wie Jürgen Freitag. Über Jahre war die Anlage sein Arbeitsplatz. 1990 ändert sich alles. Die DDR existiert nicht mehr und damit auch keine Ostberliner Staatsführung, die einen Regierungsbunker vorhält. Die Bundeswehr übernimmt den Bunkerkomplex, der wenig später aufgelöst und versiegelt wird.

Und auch im Westen ändern sich die Bunkerzeiten, als die Bundesregierung 1997 entscheidet: Die Staatsführung kann auf ein solches Bauwerk verzichten – zumindest auf das im Ahrtal. Der westdeutsche Regierungsbunker folgt seinem ostdeutschen Pendant und wird geschlossen, dann ausgeräumt. 2008 öffnet in einem kleinen, erhaltenen Teilstück der einst 17 Kilometer großen Bunkeranlage ein Museum, das sich schnell zum Publikumsmagnet entwickelt. Jährlich besuchen rund 80.000 Menschen aus aller Welt diese ungewöhnliche Unterwelt, aus der die Bundesregierung im atomaren Finale weiter lenken und leiten wollte.

Jürgen Freitag (von rechts) mit den Chef-Ingenieuren (Planung) der beiden deutschen Regierungsbunker Wolfgang Schubert (Ost) und Dr. Hans Walter (West) bei einem gemeinsamen Termin im Ahrweiler Regierungsbunker (am 16.10.2012).In die Aufarbeitung deutsch-deutscher Bunkerrealitäten haben sich viele Zeitzeugen aus Ost und West eingebracht – von Politikern über Konstrukteure, Mitarbeiter, Geheimdienstler bis hin zu Wissenschaftlern. Jürgen Freitag zählt zu diesem Personenkreis. Seit Jahren pflegt er einen engen Kontakt zur Dokumentationsstätte im westdeutschen Regierungsbunker und wird nun erstmals am 25. Jahrestag der deutschen Einheit im Regierungsbunker/West Besuchern erklären, wie das ostdeutsche Gegenstück technisch und inhaltlich aufgebaut war.

An einem Feiertag wie diesem sicherlich ein außergewöhnliches Ereignis, das auch für ein besonderes Kapitel im Entwicklungsprozess um zwei deutsche Staatsgeheimnisse steht, die zwar über den gleichen Zweck in Verbindung stehen, über den Umgang mit ihnen nach 1990 allerdings zwei ganz unterschiedliche Richtungen eingeschlagen haben – leider.

Die Hoffnung auf eine Korrektur in Prenden bleibt und auf dem Weg zur Dokumentationsstätte Regierungsbunker/Ost ist die aktuelle Bunkerkooperative in Ahrweiler sicherlich nicht nur eine historisch interessante Momentaufnahme, sondern über Personen erzählte Zeitgeschichte, denn am 3. Oktober 2015 sind auch alle ehemaligen Mitarbeiter des westdeutschen Regierungsbunkers unter den Gästeführern der Dokumentationsstätte im Einsatz. Gemeinsam geht es nun durch den Bunker. Und durch deutsche Zeitgeschichte.

Informationen zu den Führungen, das Sonderprogramm am 3. Oktober und die Öffnungszeiten unter www.regbu.de

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26.09.2015