Willkommen! Netzwerk der Bunker-Dokumentationsstätten wächst

Dortmunder Befehlsstellenbunker schrieb geheimes Kapitel der Stadtgeschichte

Die Garagenanlage in der Leipziger Straße hat es in sich, besser: unter sich. Die Pkw-Stellplätze sind der "Aufsatz" einer komplexen Bunkeranlage.Äußerlich ist es eine eher unauffällige Garagenanlage mitten im Dortmunder Stadtzentrum. Doch die hat es in sich, besser: unter sich. Zwischen 1977 und 1992 war unter den Pkw-Stellplätzen die verbunkerte Befehlsstelle des Krisenstabes Dortmund untergebracht. Die Geschichte des ungewöhnlichen Bauwerks beginnt bereits 1943. Als Dokumentationsstätte wird sie bis heute fortgeschrieben.

Das Dortmunder Zeitzeugnis dokumentiert Bunker-Geschichte der vergangenen 70 Jahre. Unter allen „Bunker-Dokumentationsstätten“ ist es damit der Oldie … der allerdings mit relativ moderner Technik und einem frischen Erscheinungsbild punktet wie auch mit engagierter und zeitgemäßer Vermittlung seiner Vita.

Und die ist umfang- und abwechslungsreich. Als Bunker im Zweiten Weltkrieg errichtet, wurde die Anlage 1976/77 heimlich auf eine neue Aufgabe vorbereitet und komplett revitalisiert, technisch aufgerüstet und neu eingerichtet. Ab 1977 nutzte die Stadtverwaltung Dortmund das Bauwerk und übte aus den weit verzweigten Räumlichkeiten Verfahren, wie sie für Krisenfälle im Kalten Krieg erwartet wurden.

Nach der letzten Übung rückte die Verwaltung ab, das Inventar blieb.Nach der letzten Übung 1992 blieb die Anlage unverändert und dokumentiert heute in beeindruckender Weise Zeitgeschichte des Ost-West-Konfliktes und Vorbereitungen einer Großstadt wie Dortmund auf den Dritten Weltkrieg.

Ein besonderes Erlebnis ist der Weg durch dieses geheime Kapitel Dortmunder Stadtgeschichte aus vielerlei Gründen: die Anlage scheint technisch einsatzbereit und manche Details vermitteln den Eindruck, der letzte Übungsteilnehmer habe gerade seine Aktentasche gepackt und ist vor zehn Minuten abgereist. Selbst die Aschenbecher stehen ungeleert da, wo sie der Kalte Krieg zurück ließ.

Führungen durch die Anlage erklären nicht nur die Räume und ihre Aufgabe als Unterkunft, Büro, Küche oder Versorgungsbereich. Gerade die Nachrichten- und Darstellungstechnik gibt, verständlich erklärt, tiefe Einblicke in ein komplexes Krisenmanagement für die Großstadt Dortmund. Das schließt Evakuierungsmöglichkeiten in Schutzräumen für die Zivilbevölkerung ein wie auch Kommunikationsketten, die ausgelöst werden und über Technik und Beschriftung noch immer erzählen, wie der Alarmfall regional, in den einzelnen Bundesländern bis hin zum Regierungsbunker in Bad Neuenahr-Ahrweiler aufgebaut war.

Schlafraum im Dortmunder Bunker. Die Anlage ist Teil eines baulichen Krisenplans der Bundesrepublik im Kalten Krieg.Insofern lässt sich über sechs Bunker-Dokumentationsstätten das komplexe, bundesdeutsche Krisenmanagement des Kalten Krieges am Originalschauplatz erklären: Von der Verwaltungsebene einer Stadt (Dortmund, Frankfurt/Main) über die „Landesbunker“ (Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) bis zum Ausweichsitz der Bundesregierung in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist die „Organisationsstruktur“ über die baulichen Originale nachvollziehbar und erfahrbar! Und selbst die Rolle einer Landeszentralbank (Nordrhein-Westfalen) in diesem Krisenplan ist mit dem entsprechenden Bunker im Netzwerk vertreten.

Ansprechpartner in Dortmund und verantwortlich für die Führungen ist Harry Lausch, der über Jahre die Geschichte der Anlage wie auch des Kalten Krieges in Dortmund aufgearbeitet hat und mit viel Engagement und fachlichem Hintergrund an die Besucher vermittelt. Dabei ist die „Bunkernähe“ auch familiär geprägt: Vater Theodor Lausch war einst Inhaber des Dienstausweises Nummer 245 (von mehr als 20.000), der zum Betreten der Baustelle am Ahrweiler Regierungsbunkers berechtigte.

Zugang zur Befehlsstelle der Dortmundes Stadtverwaltung a.D.: Die Anlage ist eine von sechs "Bunker-Dokumentationsstätten".Der „Befehlsstellenbunker Krisenstab Dortmund“ ist Teil der „Bunker-Dokumentationsstätten“.

Die Internetseite www.bunker-doku.de informiert über Veranstaltungen in der Anlage wie auch über „normale“ Besichtigungsmöglichkeiten.

Mit der Dortmunder Bunkeranlage arbeiten jetzt sechs Betreiber von Dokumentationsstätten in ehemaligen Bunkeranlagen des Kalten Krieges in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz zusammen.

Im Mittelpunkt steht dabei die historische Aufarbeitung sowie die Vermittlung von Informationen über die Bauwerke, deren technischer Einrichtung und der ehemaligen Aufgabe.

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08.11.2017