Staatsgeheimnisse im Keller

Buch stellt am 21. April im Regierungsbunker Schutzbauten in Bonn und Berlin vor

Das Sichtbare kennt jeder, doch der Keller unter dem Berliner Kanzleramt ist eine Tabu-Zone: Mit oder ohne Bunker? Auch das wird am 21. April in Ahrweiler beantwortet.Am Anfang ging es um die Geschichte eines bis heute geheim gehaltenen Gebäudeteils im Herzen des Bonner Regierungsviertels, doch dann wurde mehr daraus … viel mehr: Lassen sich unterirdische Geheimgänge, Schutzräume, Schächte oder Keller über Jahrzehnte geheim halten, die in stark frequentierten Regierungsbauten liegen? Können Hundertschaften von Fotografen, Fernsehteams und Journalisten zu Terminen mit der Spitzenpolitik einrücken ohne zu ahnen, was da an staatsgeheimen Räumlichkeiten unter ihren Füßen schlummert?

Hat man beim Neubau des Berliner Bundeskanzleramtes geheime Bunkersysteme betoniert, die bis heute niemand kennt?

Alles möglich – so lautet das schlichte Fazit am Ende dreijähriger Recherchen von Autor Jörg Diester, nachzulesen in der „Geheimakte Kanzlerbungalow – Bunker unter Regierungsbauten in Bonn und Berlin“.

Am 21. April 2018 um 20 Uhr wird das Buch in der „Dokumentationsstätte Regierungsbunker, Bad Neuenahr-Ahrweiler“ vorgestellt – und damit mit einigen Legenden aufgeräumt wie auch Fakten um die Bonner und Berliner Bundes-Unterwelten geschaffen.

Richtfest auf der Baustelle Kanzlerbungalow: alle stehen auf einem Bunker, doch keiner weiß es. Die Presse wurde kurzfristig ausgeladen und so gab es keine Fotos, keine Informationen zum Innenleben dieser Baumaßnahme.Der Startschuss für die Bearbeitung des Buches fiel 2014 im Bundesarchiv, Koblenz. Das unmittelbare Lebens- und Arbeitsumfeld des Bundeskanzlers im Zentrum der Bonner Republik wurde analysiert. Über Baupläne, Aktennotizen und Korrespondenzen ging es in den Untergrund der ehemaligen Bundeshauptstadt – zunächst in der Theorie, dann auch praktisch und vor Ort. Bemerkenswert: Es wurden Abschnitte besichtigt, die seit 1963 versiegelt waren und bis heute weder in Bildern noch über eine Beschreibung ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben. Nach Diester´s Visite stehen diese Abschnitte heute nicht mehr für Besichtigungen offen.

Schon das ist der Stoff, aus dem ein Buch sein könnte.

Doch dann gab es einen Dominoeffekt. In fortlaufender Bearbeitung öffneten sich immer mehr Türen der Kanzler-Keller. Von Bonn nach Berlin und über die Bundeskanzler Adenauer bis Merkel wurden Schutzraumkonzepte ausgeleuchtet, Korrespondenzen mit Ämtern und Ministerien geführt, Zeitzeugen angesprochen.

Sieben Regierungsbauten bieten mit ihren Kellern mehr als nur Abstellmöglichkeiten und Platz für Heizung oder Wasseranschluss. Hier wurden in Beton und Stahl interpretierte Sicherheitskonzepte geschaffen – vom dritten Weltkrieg bis zu Terroranschlägen und hybriden Bedrohungslagen, die für alle Eventualitäten Schutz bieten sollen. Ein interessantes, wenn auch nicht immer schlüssig wirkendes Stück deutscher Geschichte. So wurden zeitgleich zur Schließung des Regierungsbunkers im Ahrtal an anderer Stelle 22 Tonnen schwere Rolltore in einem neuen Bunkerkomplex für die Regierungsspitze eingesetzt. Galt für den Ahr-Bunker, die neue Sicherheitslage mache einen Ausweichsitz entbehrlich, wurde zeitgleich in Berlin die Gefährdungssituation als Argument für Neubauten mit der höchsten Schutzklasse genannt.

Luftschutztür im Zugangsbereich des Bungalow-Bunkers.Die Geschichte der Kanzler-Keller blieb über Jahre und Jahrzehnte im Dunkel aus Geheimhaltung und abgeschalteter Gebäudebereiche verborgen – bislang erfolgreich.

Die Buchvorstellung findet am 21. April 2018 um 20 Uhr in der „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“, Am Silberberg 0 , 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler statt.

Die Teilnehmerzahl ist auf 100 begrenzt, Voranmeldungen sind möglich:

E-Mail: Dokumentationsstätte Regierungsbunker

Tel.: 02641/ 911 70 53

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07.08.2017